Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW e.V.

 

Alkoholhaltige Getränke

Der Alkoholkonsum der Bevölkerung geht seit vielen Jahren kontinuierlich zurück – dies gilt auch für junge Menschen. Trotzdem werden in gesundheitspolitischen Diskussionen beständig weitere gesetzliche Verbote der Alkoholwerbung gefordert.

 
 

Vor allem auf europäischer Ebene verdichten sich die Forderungen nach weiteren Beschränkungen der Alkoholwerbung. Immer mehr Mitgliedsländer führen Werberestriktionen für die Hersteller alkoholhaltiger Getränke ein und fordern eine entsprechende europaweite Harmonisierung. Nachdem im vergangenen Jahr die Republik Irland eine verschärfte Alkohol- und Werberegulierung auf den Weg gebracht hat, wollen auch Estland und Litauen die Möglichkeiten der Bewerbung alkoholhaltiger Getränke massiv einschränken und in weiten Teilen sogar unmöglich machen. In anderen EU-Mitgliedsstaaten gelten bereits umfangreiche Werbeverbote, wie zum Beispiel in Frankreich oder in Schweden.

 

Intensive Diskussionen im Rat der Mitgliedstaaten

Vor diesem Hintergrund haben die Gesundheitsminister der EU-Mitgliedstaaten 2017 erneut intensiv über die Ausrichtung der künftigen Alkoholpolitik auf europäischer Ebene diskutiert. Dabei hatte die estnische Ratspräsidentschaft darauf gedrängt, dass die Mitgliedstaaten die EU-Kommission offiziell auffordern, einen Gesetzesvorschlag auf den Weg zu bringen, mit dem vor allem „Alkoholwerbung in digitalen Medien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen“ weiter eingeschränkt werden sollte. Diese Position fand aber keine Mehrheit im Rat. In den letztlich im Dezember 2017 verabschiedeten „Schlussfolgerungen zu grenzübergreifenden Aspekten der Alkoholpolitik“ wurde die EU- Kommission stattdessen aufgefordert „die Entwicklung der neuen Medien weiterhin zu überwachen und die Eignung der bestehenden Maßnahmen zur Verringerung der Exposition, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, gegenüber Alkoholwerbung über digitale Medien, einschließlich der sozialen Medien, fortlaufend zu bewerten“.1Schlussfolgerungen des Rates vom 8.12.2017, Dok.- Nr. 14082.Für Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote Klicken Auf nationaler Ebene sollen die 28 Mitgliedstaaten zudem selbst „Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor grenzüberschreitender Werbung im Binnenmarkt“ prüfen. Auch im Zusammenhang mit der Überarbeitung der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste setzt Brüssel nicht auf weitere gesetzliche Werbeverbote, sondern auf eine Stärkung der Werbeselbstregulierung.

 

„Der Deutsche Werberat hat bereits 2015 mit den Erläuterungen zu den Verhaltensregeln für den Bereich der Online-Kommunikation (Social Media Leitlinien für die Hersteller alkoholhaltiger Getränke) auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Onlinekommunikation reagiert.“

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke vom 31.7.2017


 
 

Schwarz-rot verweist auf funktionierende Werbeselbstkontrolle

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte schon 2015 gemeinsam mit den Bundesländern Forderungen nach weiteren Werbeverboten oder - beschränkungen auf europäischer Ebene eine Absage erteilt.2Positionspapier der Bundesrepublik Deutschland zur Novellierung der Audiovisuellen Mediendienste Richtlinie vom 3.11.2015.Für Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote Klicken Im Zuge der Notifizierung eines neuen irischen Alkoholgesetzes hatte Deutschland in einer Stellungnahme Irland um einen verhältnismäßigen Ansatz ersucht: Die nationale Regelung dürfe dem europäischen Recht, insbesondere den Vorschriften des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs nicht entgegenstehen. 3Notifizierung Nr. 2016/0042/IRL.Für Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote Klicken

Auch auf nationaler Ebene hat sich die Bundesregierung gegen weitere Werbeverbote ausgesprochen: In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke zum Thema „Regulierung und Prävention bei Alkohol“ hat sie auf den bereits bestehenden Mix aus gesetzlicher Regulierung sowie den Vorgaben des Deutschen Werberats im Bereich der Alkoholwerbung hingewiesen. Explizit erwähnt wurden neuen Social-Media- Leitlinien der Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft. Wie schon an anderer Stelle hervorgehoben, sieht die Bundesregierung den hauptsächlichen Handlungsbedarf bei der Bekämpfung missbräuchlichen Alkoholkonsums bei der Überwachung der bestehenden gesetzlichen Regelungen und in der Umsetzung einer konsequenten Präventionsstrategie. 4BT-Drucksache 18/13211 vom 31.7.2017.Für Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote Klicken


„In Deutschland trinken immer weniger Jugendliche regelmäßig Alkohol, das ist eine gute Nachricht! Dieser Trend kommt nicht aus dem Nichts, er ist auch das Ergebnis guter Aufklärungsarbeit.“

Marlene Mortler
Drogenbeauftragte der Bundesregierung


Alkoholkonsum junger Menschen weiter rückläufig

Die aktuellen Daten für Deutschland zeigen: Auch ohne weitere Werbeverbote trinken Kinder und Jugendliche immer weniger Alkohol. Noch nie gab es so viele Minderjährige im Alter von 12 bis 17 Jahren, die in ihrem Leben noch keinen Alkohol getrunken haben (2016: 36,5 Prozent, 2001 waren es in dieser Altersklasse nur 13 Prozent). Entsprechend steigt das Durchschnittsalter, in dem junge Menschen zum ersten Mal Alkohol probieren. In den vergangenen zehn Jahren hat es sich fast um ein Dreivierteljahr erhöht – auf durchschnittlich 14,9 Jahre. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass sich sowohl der Alkoholkonsum als auch das sogenannte Rauschtrinken Jugendlicher und junger Erwachsener bis 25 Jahre rückläufig entwickeln: 10 Prozent der 12- bis 17-Jährigen sagen, dass sie regelmäßig, mindestens einmal pro Woche Alkohol trinken. Im Jahr 2004 waren es noch 21,2 Prozent. Immer mehr 12- bis 17-Jährige verzichten komplett auf Alkohol.5BZgA-Studie „Der Alkoholkonsum von Jugendlichen und junger Erwachsener in Deutschland 2016“, Mai 2017.Für Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote KlickenFür Fußnote Klicken

 

Stand: März 2018

 

1 Schlussfolgerungen des Rates vom 8.12.2017, Dok.- Nr. 14082.
2 Positionspapier der Bundesrepublik Deutschland zur Novellierung der Audiovisuellen Mediendienste Richtlinie vom 3.11.2015.
3 Notifizierung Nr. 2016/0042/IRL.
4 BT-Drucksache 18/13211 vom 31.7.2017. BT-Drucksache 18/13211 vom 31.7.2017.
5 BZgA-Studie „Der Alkoholkonsum von Jugendlichen und junger Erwachsener in Deutschland 2016“, Mai 2017.