Standpunkte

 

Anlässlich des Plenums der Werbung am 19. Mai 2016

Das Motto des Plenums lautet in diesem Jahr: Wettbewerb braucht Werbung. In einer sozialen Marktwirtschaft gehört der Wettbewerb zu den effektivsten Mitteln des Verbraucherschutzes und hat dabei zweifelsfrei die größte Effizienz. Ohne Wettbewerb fehlen Anreize für neue Produkte, hohe Qualität und sachgerechte Preise; ohne Werbung könnten diese nicht umfassend zwischen Anbietern und Kunden vermittelt werden. Dennoch werden Werbung und kommerzielle Kommunikation insgesamt von immer weiteren staatlichen Einschränkungen bedrängt.

Auf dem Plenum der Werbung 2016 hält neben Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, auch Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der Freien Demokraten eine Keynote. Er erläutert hier seine Standpunkte zur Bedeutung der Werbung und den Konsequenzen ihrer überzogenen Einschränkung.


Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP 
Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP

Werbung ist auch eine Frage der Freiheit

Vorschriften, Einschränkungen oder gar Verbote für bestimmte Werbeformen und -inhalte haben in Deutschland leider eine gewisse Tradition. Erst jüngst inszenierte sich Bundesjustizminister Maas als Sittenpolizist und forderte, nackte Haut in der Werbung zu verbieten. Was vordergründig vor allem den Eindruck spießigen Gouvernantentums vermittelt, kann sich zu einem echten Schlag gegen Wohlstand, Vielfalt und Freiheit entwickeln.

Denn Werbeverbote und -einschränkungen haben handfeste negative Auswirkungen. Das gilt nicht nur für die Werbebranche selbst, sondern auch für die Wirtschaft insgesamt, die Presse- und Medienvielfalt und alle Bürgerinnen und Bürger. Ich sehe drei Kernprobleme:

Erstens: "Wettbewerb braucht Werbung!" ist das Motto des ZAW-Plenums der Werbung 2016. In der Tat: Verbote und Einschränkungen von Werbung hemmen den Wettbewerb und schaden unserer erfolgreichen Sozialen Marktwirtschaft. Denn diese lebt davon, dass etablierte Anbieter immer wieder von neuen Produkten, neuen Ideen und neuen Unternehmen herausgefordert werden. Das führt nicht zuletzt zu einem Qualitäts- und Preiswettbewerb – beides im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher. Werbung trägt also zu Vielfalt und Fortschritt bei. Wer Werbemöglichkeiten einschränkt, stärkt dagegen vor allem Marktmacht und Monopole.

Zweitens: Werbung ist nach wie vor die zentrale Refinanzierungsquelle für freie Presse- und Medienangebote. Schon jetzt sind Bürokratie, Bevormundung und Verbote allgegenwärtig. Wenn Pflichtangaben und Warnhinweise bald mehr Platz einnehmen als die Werbebotschaft selbst, wenn der Moralkodex für Werbeformen immer länger wird, und wenn Werbung für immer mehr Produkte verboten wird, mögen sich einige politische Kräfte auf ihrem Bevormundungsfeldzug als Gewinner fühlen. Sie dürfen sich dann aber auch nicht über geschlossene Redaktionen oder eingestellte Medienangebote wundern.

Drittens: Werbung ist auch ein Gradmesser für Freiheit und Toleranz in einer Gesellschaft. Respekt – vor Fremdem, vor sexueller Selbstbestimmung, vor verschiedenen Lebensmodellen – wird nicht durch Bevormundung und Gouvernantentum gestärkt. Im Gegenteil: Spätestens wenn die Venus von Botticelli auf dem Index für jugendgefährdende Medien landet oder es Rubens und Rembrandt nur noch ab 18 zu sehen gibt, werden wir merken, dass Respekt und Toleranz nur in einem Klima der Freiheit gedeihen. Und nicht von der staatlichen Sittenpolizei verordnet werden können.

Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP


 

Neue Standpunkte auf zaw.de am 3. Juni 2016.